Golf & Classics 2010 in Fleesensee oder Hummelflügler – was ist das?

Am 11.9.2010 war es wieder mal soweit – das zweite Golf & Classics 2010 in Fleesensee stand auf dem Programm.

Wie im letzten Jahr waren auch diesmal wieder Amateurgolfer gefragt, beim Finale des Konzerts mit zu machen, und wie zur Premiere 2009 war ich mit meinem Golfkumpel Ralf natürlich wieder dabei – waren die Bilder und Töne doch vom letzten Jahr noch deutlich in meinem Kopf.

Dass wir das Wochenende deswegen mit viel Golf begehen würden, war ja klar, bereits am Freitagabend gaben wir eine „Einspielrunde“ auf dem Scandinavian Course und trafen dabei verstärkt auf die zahlreichsten Bewohner Mecklenburgs – Mücken.

Gegen 19 Uhr wurde es fast unmöglich, Golf zu spielen, allein das Ansprechen des Balls verursachte einen Stau von surrenden Fliegern vor den Augen. Wir flüchteten.

Was das mit dem Konzert zu tun hat? Wenig – außer dass diese kleinen Blutsauger uns, die Zuschauer und teilnehmenden Protagonisten natürlich auch am Samstagabend belästigen würden.

Schließlich wird das Open Air Konzert auf der Driving Range des Schlossplatzes gegeben, die deswegen auch fast eine Woche lang gesperrt ist – der Bühnenaufbau und die Installation des in diesem Jahr sehr beeindruckenden Lichtes dauert nun einmal ein paar Tage.

Die Bühne steht in Richtung Abschlaghütten, durch einen kleinen Graben vom Zuschauerbereich getrennt. Dass man sich also vor der Runde auf dem Schlossplatz nicht mehr warm spielen konnte, und deswegen gleich eine Ausrede für einen eventuell schlechten Score hatte, ist dieser Veranstaltung geschuldet.

Uns störte das jedoch wenig, den Schlossplatz gingen wir Samstag früh auch ohne Einschlagen und spielten eine ganz ordentliche Runde mit dänischer Begleitung.

Auf den letzten Löchern hörten wir bereits die Musiker, wie sich am Nachmittag an die Open Air Bedingungen gewöhnten und ihre Instrumente einstimmten auf den Abend. Ein wunderbares Golf, begleitet von Oboe, Fagott und was sonst noch vereinzelt durch den Wald schallte.

Das Ereignis warf also im wahrsten Sinne des Wortes seinen Schall voraus.


Foto: Mirko Runge


Das Konzert selbst wurde laut Pressemitteilung von 1200 Gästen besucht, soweit ich mich erinnere, waren es 2009 weniger – dass dieses Event nicht ausverkauft ist, wundert mich allerdings sehr.

In Berlin gäbe es für so etwas bereits Monate vorher keine Karten mehr.

Wie im letzten Jahr erhielten die Helfer am Eingang ihre Nummern, die für die spätere Zuordnung der 3 Gruppen dienten. Außerdem saßen die Helfer (vom Veranstalter liebevoll „Hummelflügler“ genannt) in den letzten Reihen des bestuhlten Bereiches und genossen somit den ersten Teil des Konzertes – dank der überall verteilten Antimücken-Spraydosen auch fast unbehelligt von den Blutsaugern.

Allerdings wurde es gegen 20 Uhr, als der erste Teil des Konzerts begann, auch schon langsam dunkel – und die ersten klassischen Stücke unter freiem Himmel nahmen uns ganz in ihrem Bann gefangen.

Die Neubrandenburger Philharmoniker unter Stefan Malzew sind ja bekannt als recht experimentierfreudig, so gab es dieses Jahr als Solisten den Chinesischen Musiker Wu Hei – der 2 Solostücke auf 1500 Jahre alten Instrumenten (ein Blas- und ein Streichinstrument, das ganz einzigartige Töne von sich gab) spielte und uns weit weg nach China entführte – ich finde es immer wieder erstaunlich, was Musik mit mir macht.

„Ganz nah weit weg“

„Ganz nah weit weg“ (der sehr schöne Slogan des Landes Fleesensee) erhielt an diesem Abend für mich wieder eine andere Bedeutung!


Foto: Mirko Runge


Die „Golfonics“ (14 Pros aus Fleesensee) schlugen im Takt der Musik rot blinkende Bälle in den Nachthimmel, wesentlich besser und synchroner als im letzten Jahr zur Premiere – offensichtlich zahlt sich das Üben auch hier aus!

Im letzten Jahr erklärte Stefan Malzew noch die Schwierigkeit, den Pros zu erklären, dass bei dieser Art des Abschlages nicht der Ballflug, sondern das Timing von entscheidender Bedeutung ist.

Und jeder der schon mal versucht hat, im Takt einer Musik seinen (oder mehrere) Golfball zu schlagen, weiß wie schwer das ist.

Die Pros und auch alle Musiker machten ihre Sache zur großen Freude des Publikums auch sehr ordentlich und boten hervorragende Musik und Entertainment unter dem an diesem Abend wunderbaren Himmel.

Nach einer Stunde dann gab es die Pause, in der die Hummelflügler still und leise im Wald verschwanden, um sich in der nahe gelegenen Tenne zu treffen.

Dort wurden wir anhand der Nummern in 3 Gruppen eingeteilt und nach genauer Erklärung des nun folgenden Ablaufs durch den Direktor des Schlosshotels versammelten wir uns geordnet im Wald hinter der Driving Range.


Foto: Mirko Runge


Dort warteten wir, etwas aufgeregt, auf das Eintreffen der wieder deutlich hörbaren Golfonics, die bereits im zweiten Teil des Konzertes ihre Bälle schlugen.

Im Wald waren auch Scheinwerfer installiert, die die Bäume anleuchteten und dem ganzen Ambiente ein zauberhaftes Aussehen verliehen. Dazu erklangen die Märsche von Brahms aus dem Wald, dazu im schönen Takt, das deutlich hörbare „Klack“ der getroffenen Bälle.

Beinahe mystisch, dieser Ort!

Vielleicht war die Stimmung unter den gut 70 Hummelflüglern auch deshalb fast wie bei einer Klassenfahrt im Zeltlager?Es wurde jedenfalls eifrig getuschelt und mit den dann brennenden Fackeln sah es gleich noch gespenstischer aus.

Schließlich trafen die Pros ein, jeder mit einem im-Ohr-Kopfhörer ausgestattet, um die Musik besser zu hören und auch die Kommandos von Stefan Malzew besser zu hören. Bald darauf erklang leise unsere Musik – der Boléro von Ravél.

„Die Fackeln bitte auf Schulterhöhe in der linken Hand! Das Wedge in die rechte Hand! Und bitte nicht rennen, sondern feierlich schreiten!!“

Dies wurde uns noch mit auf den Weg gegeben, bevor wir – jeweils ein Golfonic zwischen zwei Amateuren – auf den Weg über die Driving Range machten.

Aus der Sicht der Bühne von hinten schritten wir nun also in 3 Gruppen (Zwei zu je 19 Personen und eine Gruppe mit 40 Personen) langsam auf unsere Positionen. Die beiden kleineren Gruppen postierten sich links und rechts neben der Bühne, die größere Gruppe blieb ganz hinten oben auf der Range.

Mit Fackel und Wedge schreiten

Zum Boléro mit einer Fackel und einem Wedge ausgerüstet langsam zu schreiten ist schon ein besonderes Erlebnis! Vor allem, weil man auch die anderen beiden Fackelzüge sehen kann – fast wie Glühwürmchen schwebten wir der Bühne bzw. unseren Positionen zu.

Unsere Positionen waren durch die Nummern gekennzeichnet, dort auch jeweils 28 Bälle aufgeteet. Mit dem Ende der Musik steckten wir die Fackeln in den Boden und gleich darauf ertönte der „Hummelflug“ von Rimski Korsakow. Nun galt es, zirka alle 3 Sekunden einen Ball nach dem anderen möglichst hoch in den Nachthimmel zu befördern.

Waren es 2009 noch normale Rangebälle, waren es dieses Jahr Bälle, die nach dem Kontakt mit dem Schläger ca. 5 Minuten lang rot blinkten – extra für dieses Konzert bestellt! Wie gerne hätte ich meinen Bällen etwas länger hinterher gesehen!

Wenn man bedenkt, dass ein Ball ca. 3-5 Sekunden unterwegs ist und 85 (Hummelflügler und Golfonics zusammen) jeweils 28 blinkende Bälle in ca. 2 Minuten in den Nachthimmel befördern, sind also immer gut 200 bis 400 rot blinkende „Hummeln“ gleichzeitig in der Luft; das sieht schon beeindruckend aus!

Doch ich war eifrig damit beschäftigt, dem Publikum meine Bälle möglichst hoch und somit zeitlich lang zu präsentieren, was angesichts der Dunkelheit, meiner Aufregung und – natürlich – der Unmöglichkeit, mich auf der Range warm zu spielen (haha) gar nicht so einfach war.

Nach 2 Minuten war alles vorbei, gut 2100 rot blinkende Bälle lagen auf der Range verstreut und hinterließen den Eindruck, als wäre gerade ein Alien-Raumschiff vorbeigeflogen und hätte ein wenig von seiner Ladung verloren…

Dazu der tosende Applaus des Publikums, den wir auf den Laufstegen neben der Bühne, von wo die Golfonics ihre Bälle abgeschlagen hatten, entgegen nehmen durften – einfach nur unvergesslich!! Ich musste gleich an André Heller denken, der mal sang „Die besten Bilder sind im Kopf…“.

Und diese Bilder und Töne werde ich wohl bis nächstes Jahr wieder in mir tragen, bis es 2011 wieder heißt:“ Helfer für Golf & Classics gesucht!“

Dann dürfen wir wieder für ein paar Minuten zu Hummelflüglern werden.

Über Dennis Born 507 Artikel
Der Gründer und Autor dieser Webseite golft in seiner Freizeit leidenschaftlich gern. Hauptberuflich leitet er die Internetagentur "viminds - onlinemarketing" in Rostock und ist glücklich verheiratet.

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