Heute geht es um den Bau einer Golfanlage nördlich von Schwerin. Auf Nachfrage bei der zuständigen Redaktion erfuhr ich, dass es sich um die Planungen für den Schweriner Golfclub e.V. handeln.
Der Schweriner Golfclub e.V. wurde von wenigen “Pionieren des Golfsports in Mecklenburg-Vorpommern am 06.10.1990 gegründet“. Ob jemals ein Spielbetrieb zu Stand kam, ist mir nicht bekannt.
Bereits seit 2003 propagiert der Schweriner Golfclub e.V., dass das Gelände von WINSTON Golf (bei Vorbeck) die vorläufige Heimat des Clubs sei, solange noch kein eigene Standort vorhanden ist.
Jetzt hören wir zum ersten Mal seit langem wieder etwas aktuelles zum diesem Thema. Folgender Artikel beschreibt den aktuellen Entwicklungsstand und die poltitische Debatte:
Golfplatz-Planer dürfen noch nicht einlochen
SCHWERIN - Die Pläne für den 80 Hektar großen Golfplatz im Norden der Landeshauptstadt treffen in der Kommunalpolitik auf geteiltes Echo. Während die CDU/FDP-Stadtfraktion das geplante Projekt unterstützt, lehnen Unabhängige Bürger und Bündnisgrüne das Vorhaben ab, die übrigen Fraktionen sehen weiteren Beratungsbedarf.
Bereits seit 2001 haben mehrere Entwickler versucht, den Golfplatz auf einem an den Ziegelaußensee grenzenden Areal in Medewege zu verwirklichen.
“Wir sind bereit, fünf bis sechs Millionen Euro aufzubringen”, sagt Dr. Horst Brandt, Inhaber der Schweriner Firma Intercom Baubetreuungs GmbH, der zu den Investoren gehört, die das Projekt neu beleben wollen. “Wenn die Stadt uns grünes Licht gibt, würden die konkreten Vorbereitungen sofort beginnen, sodass wir im Spätsommer mit dem Bau anfangen könnten”, so Brandt.
Das Konzept sei deutschlandweit einmalig: “Einen mit der Straßenbahn erreichbaren Golfplatz – das gibt es noch nirgendwo.” Geplant sei kein elitärer Club. Brandt: “Wie in Skandinavien längst üblich, wollen auch wir Breitensport ermöglichen.”
Problem: Die Investoren werden nur dann den Startschuss geben, wenn die Stadt die zeitlich begrenzte, sogenannte Anhandgabe der Fläche in Medewege erneuert. “Ein legitimes Interesse”, sagt Sebastian Ehlers, Vorsitzender der CDU/FDP-Fraktion.
“Die Unternehmer müssen auch künftig die Gewissheit haben, dass die Stadt das Gelände keinem anderen Interessenten oder einer anderen Nutzung zuschlägt.”
Dass die Stadtvertreter dem Antrag seiner Fraktion, diese Anhandgabe fortzuführen, noch nicht gefolgt sind, wertet Ehlers als Rückschlag. Denn er hält das Projekt für eine Chance: “Das würde positive Impulse für die Tourismuswirtschaft bringen und Arbeitsplätze schaffen.”
Golf sei in MV im Aufwärtstrend. Habe es 2006 rund 260 000 Übernachtungen von Golf-Sportlern im Bundesland gegeben, seien es 2008 bereits 380 000 gewesen, so Ehlers.
Satellitenaufnahme des zukünftigen Standorts nahe Schwerin
Widerstand gegen Eingriffe in geschützte Natur
Die Unabhängigen Bürger indes wollen das Vorhaben stoppen. Mit der Winston-Golfanlage in Vorbeck, die gerade ausgebaut werde, gäbe es in der Region bereits einen europaweit ausstrahlenden Anbieter, so UB-Stadtvertreter Dr. Dietrich Thierfelder.
Er bezweifelt, dass ein Golfplatz in Schwerin dieser Konkurrenz standhalten könnte. Die touristischen Auswirkungen einer solchen Anlage würden zudem überschätzt. “Nicht jeder auswärtige Golfer übernachtet auch am Spielort.”
Die Anhänger dieses Sports würden vielfach kaum Interesse an ihrem Aufenthaltsort zeigen, sagt Thierfelder. Von den Betreibern von Winston-Golf wisse er, “dass 60 Prozent der auswärtigen Gäste nicht in Schwerin waren”.
Darüber hinaus wäre der Bau eines Golfplatzes in Medewege ein unverzeihlicher Eingriff in die Natur. “Wir haben dort ein europäisches Vogelschutzgebiet, in dem Graugänse rasten”, so Thierfelder.
Auch die Bündnisgrünen lehnen das Projekt am geplanten Standort ab. “Dieses Naherholungsgebiet, das zu den schönsten in Schwerin zählt, darf nicht zerstört werden”, so Fraktionschef Manfred Strauß.
Die SPD will die Initiative nicht ungeprüft verwerfen. “Allerdings müsste sichergestellt sein, dass der Ziegelaußensee für Besucher zugänglich bleibt”, so Fraktionschef Daniel Meslien. Die Linksfraktion sei in der Frage uneins, so deren Vorsitzender Gerd Böttger: “Mit mir sind weitere Fraktionsmitglieder für eine Prüfung, andere lehnen eine Versiegelung der Landschaft strikt ab.”
Investor Dr. Horst Brandt will Zweifel an dem Vorhaben ausräumen: “Wir sind jederzeit für Gespräche mit den Fraktionen bereit.”
Quelle: SVZ vom 25. Februar 2010 | von Mathias Gröckel
Anmerkung von Golfen-MV: Natürlich muss genügend Golferpotential vorhanden sein, um eine 2. Anlage bei Schwerin zu betreiben (kann ich für Schwerin nicht einschätzen). Ich bin aber der Meinung, dass sich genau durch die Tatsache das WINSTONgolf “europaweit ausstrahlt” und viele Golfer nach Schwerin lockt, sich eine 2. Anlage auf jeden Fall lohnen würde.
Die neue Anlage hätte gegenüber WINSTONgolf sogar einen kleinen Standortvorteil, durch die Nähe zu Schwerin mit seinen Sehenswürdigkeiten.
Beide Golfanlagen würden meines Erachtens voneinander profitieren. Die Golfregion Schwerin erhielte eine deutliche Aufwertung. Zwingende Voraussetzung ist jedoch eine bessere Vermarktung der golftouristischen Angebote für die Golfregion Schwerin.



