Interview mit Andreas Lukasch, „No.9 Golfdesign“ (Teil 1)

no9-golfdesign_logo_sehr-klein1„Ich freue mich dich endlich kennen zu lernen…“, begrüßte mich Andreas in seiner sympathischen Art auf dem Parkplatz vom Golfclub Tessin. Zu unserem Treffen kam es, weil ich ihn einige Wochen zuvor kontaktierte, um mehr über seine Arbeit als aufstrebender Golfplatzplaner (No.9 Golfdesign) zu erfahren. Er schlug vor, dass wir uns auf eine gemeinsame Runde Golf verabreden sollten.

Gesagt – getan!
Uns im Rahmen einer entspannten Golfpartie zu unterhalten war die perfekte Wahl. Nur das Wetter ist im November alles andere als beständig. Am Abend zuvor wütete Tief „Jürgen“ über MV und ließ uns am Zeitpunkt unserer Verabredung zweifeln. Doch das Glück war uns hold – mit 12°C und heiterem Himmel spielten wir im Golfclub Tessin.

Wie sich bereits auf der Range und später auf der Runde herausstellte, ist Andreas ein begnadeter Golfer (in meinen Augen) mit Präzision und einem unglaublichen Schwung. Nicht umsonst steht sein Handicap bei -2.

Nur mal ein Beispiel: Wer den Platz in Tessin kennt, wird zu schätzen wissen, dass Andreas

  1. sich an Bahn 2 (PAR 5) so ausrichtete, dass sein Drive Carry 220m über den Weiher fliegt und anschließend
    mit dem 2. Schlag auf dem Grün liegt. Realistische Eagle-Chance!
  2. An Bahn 7 den Driver (!?!) auspackt und mit unglaublicher Präzision den weißen „Untertan“
    bis auf 1,50m an die Fahne
    befördert.
  3. An Bahn 5 „abkürzt“ und den Ball fast mit dem ersten Schlag auf das Grün befördert.

Respekt! Aber das nur am Rande…
Wir spielten 9 Löcher und ich hatte mir ein paar Fragen zurechtgelegt, die mich brennend interessierten:

Das Interview mit Andreas Lukasch

Interview mit Andreas Lukasch, No.9-Golfdesign im Golfclub TessinDennis: Andreas – auf deiner Webseite kann man zwar jede Menge über dich erfahren. Vielleicht kannst du für die Leser aber noch mal kurz zusammenfassen, woher du ursprünglich kommst und was dich nach Mecklenburg-Vorpommern geführt hat.

Andreas: Geboren wurde ich in Göttingen. 1995 bin ich für mein Studium zum Dipl.-Ing. für Landeskultur und Umweltschutz nach Rostock gekommen. Damals hatte ich auch Zusagen anderer Unis und bin sehr froh, dass ich mich für Mecklenburg-Vorpommern entschieden habe. Das Umfeld hier, die Leute und die Landschaft sind einfach toll und ich möchte hier auch nicht mehr weg.

„Golf & MV passen sehr gut zusammen“

Dennis: Was gefällt dir besonders an Mecklenburg-Vorpommern und an den Möglichkeiten deiner Leidenschaft Golf nachzugehen?

Andreas: Es ist spannend, die Entwicklung des Golfsports in MV zu verfolgen. Als ich 1995 nach Rostock kam, gab es in MV lediglich den Golfplatz in Hohen-Wieschendorf. Mittlerweile hat sich die Anzahl der Golfanlagen deutlich erhöht und die Möglichkeiten meinen Sport auszuüben haben sich stark verbessert. Golf & MV passen sehr gut zusammen. Golf wird nun einmal in der Natur gespielt und davon hat MV sehr viel zu bieten.

Dennis: Wie kamst du auf die Idee Golfplatzplaner oder Golfplatzdesigner zu werden, das ist doch schon ein sehr spezieller Beruf…

Andreas: In der Tat ist es eine ungewöhnliche und sehr spezialisierte Tätigkeit. Als ich 1986 mit dem Golfen angefangen habe, war ich schon nach den ersten Schlägen von dem Sport begeistert. Eine ebenso große Faszination wie das Golfspiel selbst haben auf mich jedoch auch die Golfplätze ausgeübt.

Golf wird nicht auf einem normierten Spielfeld gespielt, sondern jeder Golfplatz ist anders. Das Spielen in den unterschiedlichen Landschaften und die verschiedenen Charaktere der Plätze haben mich stets fasziniert. Schon während der Schulzeit entwickelte sich bei mir dann der Entschluss, dass ich gerne Golfplätze planen möchte. Der erste Schritt in den Beruf war ein Praktikum bei einer Golfplatzbaufirma.

Dort habe ich kilometerlang Drainagegräben ausgehoben, konnte aber bei dem Planer der Golfanlage einige meiner Ideen zur Gestaltung des Platzes einbringen. Diese Erfahrung hat meine Entscheidung Golfplatzarchitekt zu werden bestärkt, wenig später habe ich dann mein Studium in Rostock begonnen.

Entwurf eines GolfplatzesDennis: Was sind die Hauptaufgaben deines Berufs und wo liegen die Schwierigkeiten?

Andreas: Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die bei der Planung von Golfplätzen zu beachten sind. Diese Faktoren optimal zu kombinieren ist die Hauptaufgabe eines Golfplatzplaners und stellt sicherlich auch die Schwierigkeit des Berufs dar. Als Beispiel für einen Faktor lässt sich die spielstrategische Golfplatzplanung nennen.

Mit jedem Golfloch das ich plane, stelle ich den Golfern quasi eine Aufgabe, die sie lösen müssen. Hierbei sind natürlich die unterschiedlichen Spielstärken der einzelnen Golfer zu berücksichtigen. Anfänger sollen einen fairen Weg zum Loch finden, zum erzielen niedriger Scores werden aber kontrollierte und auch kreative Schläge gefordert.

Jede Golfbahn soll somit verschiedene Wege vom Abschlag hin zum Grün bieten, was durch die gezielte Planung der einzelnen Hindernisse erreicht wird. Natürlich spielen wirtschaftliche Gesichtspunkte immer auch eine entscheidende Rolle. Oftmals können jedoch kostenintensive Erdarbeiten durch die gezielte Einbeziehung bereits vorhandener Landschaftselemente und –strukturen verringert werden.

Weitere Planungsfaktoren sind beispielsweise die Längen der einzelnen Bahnen sowie die Gesamtlänge des Platzes, die Einhaltung von Sicherheitsabständen, der Spielrhythmus, der Abwechslungsreichtum, die Beachtung von Schutzzonen und die Einhaltung von Auflagen aus der Genehmigungsplanung, die Vegetation, die Topographie, die Hauptwindrichtung, die Landschaftsästhetik oder die Be- und Entwässerung der Golfplatzflächen.

Zum 2. Teil des Interviews mit Andreas Lukasch, Golfplatzplaner von „No.9 Golfdesign“ (2. Teil)

Unteres Bild & Logo © by No.9 Golfdesign

Über Dennis Born 471 Artikel

Der Gründer und Autor dieser Webseite golft in seiner Freizeit leidenschaftlich gern.
Hauptberuflich leitet er die Internetagentur „viminds – onlinemarketing“ in Rostock und ist glücklich verheiratet.

3 Kommentare

  1. Hallo Andreas,
    hallo Dennis!

    Ein interessanter Bericht, den ich gerne gelesen und hierzu sofort zwei Fragen notiert habe:

    1. Hauptwindrichtung: Was verbirgt sich hier hinter genau? – Als ich kürzlich einmal im GC Motzen spielte, hatt ich z. B. auf der ganzen Runde das Gefühl, Wind von allen Seiten zu bekommen. Ist das der Plan? 😉

    2. Spielstrategische Golfplatzplanung: Welche Rolle spielen Linkshänder-Golfer bei der Planung?

    Über weitere Informationen freue ich mich schon jetzt.

    Herzliche Grüße
    Frau Oelmann

  2. Hallo Frau Oelmann,

    die Hauptwindrichtung (mit der dazugehörigen Verteilung der Windstärken) kann für jedes Planungsgebiet bestimmt werden. Ich nutze diese Daten unter anderem bei der Planung von Par 3 Löchern. Die Spielrichtung eines sehr langen Par 3 Loches würde ich beispielsweise nicht entgegen der Hauptwindrichtung planen, da das Grün für den Großteil der Golfer sonst unerreichbar weit weg wäre. Noch ein Beispiel: Wenn auf einem Golfplatz ein 160m langes Loch hauptsächlich mit Rückenwind und im Laufe der Runde ein 140m langes Loch gegen den Wind gespielt wird, so wird ein Golfer an beiden Löchern wahrscheinlich mit dem selben Schläger abschlagen. Das versuche ich zu vermeiden, um den Abwechslungsreichtum auf der Golfrunde zu erhöhen („Alle Schläger im Bag sollen genutzt werden“).

    Keine Angst, Lefties werden nicht benachteiligt, auch wenn sie bei meinen Golfplatzplanungen nicht wirklich eine Rolle spielen. Beim Design des Golfplatzes plane ich Bahnen, an denen Golfer belohnt werden, die Rechts-Links-Kurven spielen. Andere Spielbahnen fordern einen Ballflug von links nach rechts. Da Linkshänder – wie die allermeisten Golfer – oft einen Slice spielen, haben sie einen Vorteil, wenn an einer Bahn eine Rechts-Links-Kurve gefordert wird. Rechtshänder hingegen haben es in der Regel leichter, wenn Links-Rechts-Kurven gefragt sind. Im Laufe der Golfrunde gleichen sich die Vor- und Nachteile aus, so dass es nicht notwendig ist, Lefties als Planungsfaktor mit einzubeziehen. Den einzigen Nachteil, den Linkshänder haben, ist, dass die Abschlagtafeln immer auf der falschen Seite der Abschläge stehen…

    Viele Grüße,
    Andreas Lukasch

  3. Lieber Andreas – vielen Dank für die sehr aufschlussreiche Auskunft…
    Weil wir gerade bei Linkshändern sind. Da könnte ich eine kleine Anekdote von meinem neuen Golfschläger erzählen… Glücklicherweise bemerkte ich den Irrtum bevor ich den Schläger auspackte.. 😉

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