Interview mit Andreas Lukasch, „No.9 Golfdesign“ (Teil 2)

Dennis: Andreas – du bist ein richtig guter Golfer (HCP -2). Ist das für die Golfplatzplanung von Vorteil?

Andreas: Es hilft auf jeden Fall, wenn man gut einschätzen kann, wie leicht oder schwierig die einzelnen Aufgaben sind, die man den Golfern auf der Runde stellt. Ein 100m-Schlag über ein Wasserhindernis stellt einen Anfänger vor ein fast aussichtsloses Problem. Ein Scratch-Golfer (der regelmäßig Par spielt) hingegen wird das Wasser fast gar nicht wahrnehmen und sich damit beschäftigen, wo er seinen Ball neben der Fahne platzieren will, um anschließend einen möglichst einfachen Putt zu haben.
Einerseits hilft mir meine Golferfahrung sicherlich, um bei der Golfplatzplanung die Spiellinien für sehr gute Golfer detailliert herausarbeiten zu können. Auf der anderen Seite spiele ich auch oft genug mit nicht ganz so guten Golfern – und erinnere mich auch noch gut an die Zeit, als ich selber mit dem Golfen angefangen habe – um die Möglichkeiten von Golfern unterschiedlicher Spielstärken einschätzen zu können.

RedesignDennis: Du hast mir erzählt, dass du den damaligen 6-Loch Platz hier in Tessin zu dem jetzigen 9-Loch Platz umgestaltet hast. Wie kam es dazu und was waren für dich die besonderen Herausforderungen?

Andreas: Die Planung des Umbaus der 6-Loch-Anlage zu einem 9-Loch-Golfplatz war Gegenstand meiner Diplomarbeit. Ich habe damals in Tessin öfters gespielt und durch den Kontakt zu dem damaligen Betreiber kam es zu der Planungsaufgabe. Es hat Spaß gemacht eine Diplomarbeit anzufertigen bei der ich wusste, dass die Planungen tatsächlich realisiert werden würden.

Die besondere Herausforderung bestand darin, einen interessanten und sportlich anspruchsvollen Golfplatz zu gestalten, bei dem aus Kostengründen möglichst wenig Erde bewegt werden sollte. Lediglich die Grüns und Abschläge sollten aufgebaut werden. Die Schwierigkeit bestand also darin ein Routing zu finden, dass sich optimal in die vorgegebene Landschaft einfügt und das gleichzeitig die landschaftlichen Potentiale voll ausnutzt.

Dennis: Was dir meiner Meinung nach wirklich sehr gut gelungen ist… Aber das war für dich aber erst der Anfang, denn 2006 hast du mit der Planung für „Baltic Hills“ einen 18-Loch Platz auf Usedom begonnen. Gab es Schwierigkeiten oder lief alles wie am Schnürchen? Und vor allem bist du mit dem Ergebnis zufrieden?

Andreas:Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden! Die Reaktionen, die ich von den Golfern bekomme, die den Platz gespielt haben, sind durchweg positiv, das freut mich sehr. Natürlich gibt es bei einem solchen Projekt immer auch einige Probleme und Hindernisse. Insgesamt ist das Projekt aber sehr gut verlaufen.

Eine der größten Herausforderungen war mit Sicherheit die Auflage innerhalb des Golfplatzgebietes zwei große Vogelschutzzonen für Heidelerchen einzurichten. Die Auflage kam erst, nachdem die Golfplatzplanungen bereits weit fortgeschritten waren. Das Routing des Platzes musste deshalb teilweise neu erarbeitet werden, was natürlich ein großer Aufwand ist, wenn man die Vielzahl der zu berücksichtigenden Planungsfaktoren betrachtet.

Neulich habe ich das „Baltic Hills“- Jahresabschlussturnier mitgespielt. Ich bin sehr zufrieden damit, wie gut sich der Platz seit der Fertigstellung entwickelt hat. Das Greenkeeper-Team dort hat einen prima Job gemacht. Insbesondere freue ich mich sehr darüber, wie harmonisch sich der Platz in die Landschaft integriert.

Dennis: Kannst du mich und die Leser kurz über dein aktuelles Projekt aufklären?

golfpark-strelasund-inselcourse-erweiterungAndreas: Derzeit plane ich die Erweiterung des Inselcourses des Golfparks Strelasund. Der bestehende Kompaktplatz soll zu einem 18 Loch-„Meisterschaftsplatz“ erweitert werden. Die Herstellung von zwei Par 5-Löchern ist bereits weit fortgeschritten. Nächstes Jahr soll der Platz dann zunächst als 9 Loch-Platz bei Par 36 bespielbar sein.

In einem zweiten Bauabschnitt werden danach die weiteren neun Löcher gebaut. An der Planung der Löcher des zweiten Bauabschnitts arbeite ich gerade. Ähnlich wie bei den bereits hergestellten Par 5-Löchern sind bei den neuen Bahnen des zweiten Bauabschnitts große Waste-Areas vorgesehen. Auch Wasserhindernisse und interessant gestaltete Grün-Komplexe werden den Platz prägen.

Dennis: Das ist alles sehr spannend… Dein Job nimmt sich sicherlich viel in Anspruch. Mich würde interessieren wie es da mit Andreas Lukasch, dem privaten Menschen aussieht… Wie verschaffst du dir beruflichen Ausgleich?

Andreas: Vor acht Wochen bin ich zum ersten Mal Vater geworden. Die kleine Emma hat unsere Welt natürlich gehörig auf den Kopf gestellt und steht selbstverständlich im Mittelpunkt.
Ansonsten gehe ich gerne zu Hansa-Spielen ins Stadion und mag Ausflüge an den Ostseestrand. Golfspielen und an meinem Schwung arbeiten machen mir großen Spaß.

Dennis: Zum Abschluss würde ich gerne noch einen Blick in die Zukunft wagen. Was erhoffst du dir beruflich und privat.

no9-golfdesign_logo_sehr-klein1Andreas: Ich würde mich sehr freuen, wenn ich mit meiner Firma „No.9 Golfdesign“ die Entwicklung des Golfsports in Mecklenburg-Vorpommern weiter begleiten und fördern kann. Hier oben besteht noch Potential für weitere Golfanlagen, an deren Entwicklung möchte ich gerne beteiligt sein.

Planerisches Lebensziel ist sicherlich die konsequente Gestaltung eines echten Links-Platzes. Vielleicht ergibt sich dieser Traum ja hier in MV, denn an der Ostseeküste gibt es einige Flächen, die sich hervorragend für einen solchen Linksplatz eignen würden.
Und vielleicht geht die kleine Emma ja irgendwann mal mit mir eine Runde Golfen.

Dennis: Ich drücke dir die Daumen, dass sich alles erfüllen wird und danke dir für die herrliche Golfrunde und den interessanten Einblick in dein Leben. Ich freue mich auch über deine Zusage dass wir in Zukunft öfter etwas von dir und deiner Arbeit auf Golfen-MV.de lesen können.

Habt ihr Fragen an Andreas – dann meldet euch? Habt ihr den neuen Platz „Baltic Hills“ auf Usedom schon gespielt? Wenn ja – wie gefällt er euch? Schreibt einen Kommentar…

 

Interview mit Andreas Lukasch, Golfplatzplaner von „No.9 Golfdesign“ (1. Teil)

Bilder & Logo © by No.9 Golfdesign

 

 

 

Über Dennis Born 471 Artikel

Der Gründer und Autor dieser Webseite golft in seiner Freizeit leidenschaftlich gern.
Hauptberuflich leitet er die Internetagentur „viminds – onlinemarketing“ in Rostock und ist glücklich verheiratet.

9 Kommentare

  1. und noch besser, wenn einem das Gelände Unterstützt und die Natur nicht noch mehr „Umgebaut“ und verändert werden muss.

    Richtig Interessant ist auch die Geschichte von Herrn Schlapp und wie er mit einem ökologischem Golfplatz anfing und auch die Geschichte des „öffentliche Golfverband DVG“
    link: http://www.schlapp-schotten.de/
    Ich habe auch sein Buch über den Platz und die Geschichte gelesen, ist ein Tipp wie es auch gehen kann.

  2. Im Golfclub Tessin hat Andreas auch auf die Natürlichkeit großen Wert gelegt. Es musste zum Beispiel kein Baum gefällt werden…
    Auf der Seite von Herrn Schlapp werde ich bei Gelegenheit mal durchforsten. Danke für den Tipp!

    P.S. Ich habe meinen Login bei dir verlegt und kann auch kein Passwort-Recovery machen. Da hilft nur neu anmelden oder?

    Gruß Dennis

  3. Also wir waren mehr als Überrascht wie viele sich das „angetan“ haben. Und vor allem hat es keinem nicht-gefallen und sie würden da sehr gern noch mal machen wollen.

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